Passend zur dunklen Jahreszeit möchte ich euch heute eine Gespenstergeschichte erzählen: Von einer Geisterseite ohne greifbaren Körper, die sich weigert, in ihr Grab zu steigen.

Spätestens seit Google Panda ist klar: Ohne gute Inhalte geht im SEO-Bereich nicht mehr viel. Auch Panda 4.1 hat dies nochmal belegt, und Seiten die hochwertigen, druckreifen Content anbieten, einen erfreulichen Schub gegeben. Heute will ich euch zeigen, dass man aber auch ohne jeden Content über Monate hinweg stabil ranken kann – auch wenn ich erst sehr spät verstanden habe warum.

Der unheimliche Wiedergänger

Der unheimliche Wiedergänger

Um die Geister nicht zu wecken, schreibe ich hier weder den Namen des Geschäfts, noch die Domain aus. Aber ihr seht sie ja in den Screenshots.

Auf der Suche nach Antiquitäten

Auf der Suche nach einem schönen Schreibtisch habe ich diesen Sommer die Antiquitätenläden rund um München abgegrast. Ich wusste, dass es irgendwo eine wirklich große Halle mit mehreren Händlern geben musste.

Google Suche nach "Antiquitäten München"

Google Suche nach „Antiquitäten München“

Suchergebniss für Antiquitäten München

Suchergebniss für Antiquitäten München (Stand Oktober)

Richtig! Der AP. Ich hatte immer gedacht, der wäre am Ostbahnhof gewesen, aber entweder war er in der Zwischenzeit in den Norden der Stadt umgezogen oder immer schon dagewesen.

Eine leere Seite

Beim Klick auf den Link lande ich auf einer leeren Website. Upps. Wahrscheinlich ein Serverfehler.

Die leere Website des Antikpalast

Die leere Website des AP.

Ich hatte an dem Tag aber ohnehin keine Zeit dorthin zu fahren, weil ich zuerst die vielen Läden im Westen der Stadt anschauen wollte. Aber den AP hatte ich mir vorgemerkt und wollte am nächsten Tag nochmal auf die Website schauen. Aber die war immer noch leer.

Blick in den Cache

Seite nicht verfügbar? Kein Problem. Als SEO schau ich dann einfach in den Google Cache. Hier findet man einen, meist mehrere Tage alten, Snapshot der Seite.

Diesen Screenshot habe ich einige Monate später zur Dokumentation gemacht.

Diesen Screenshot habe ich einige Monate später zur Dokumentation gemacht.

Auch leer? Wie das?

Jetzt war mein SEO-Interesse geweckt. Wenn in Zeiten von Panda, in denen alle Welt davon spricht, wie wichtig Content ist, eine Seite ganz ohne Inhalt rankt, dann werde ich neugierig. Grund genug für eine SEO Analyse.

Was sagt der Quellcode?

Quellcode der Website

Quellcode der Website

Vielleicht verrät ja der Quellcode was. Fehlanzeige. Die Seite besteht nur aus einem HTML-Gerüst, einem Google Analytics Code und einem Cron Job. Der einzige „Content“ ist das Title Tag.

Interessant. Das kann aber noch nicht lange so sein. Google hätte eine leere Website sicher schnell aus dem Index entfernt. Oder?

Wayback Machine

Doch die Wayback Machine belehrt mich eines besseren.

http://archive.org/web/

Schon im Snapshot von Mitte Mai 2014 ist die Seite ohne Inhalte. Das letzte Lebenszeichen ist der der Snapshot einer Unterseite vom 20. April 2014.

Snapshot vom 20. April

Der Snapshot vom 20. April ist sehr… Keywordlastig.

Blick ins Linkprofil

Das Abschaltdatum bestätigt auch Ahrefs.

Linkentwicklung für den Antikpalast

Linkentwicklung für den AP

Im April 2014 fallen die Links in den Keller und sinken seither konstant. Damit lässt sich das Abschalten der Seite zeitlich ziemlich gut eingrenzen.

Aktuell hat die Seite nur noch wenige gute Links. Ein paar bessere Reiseblogs (mit einem Cemper Power*Trust zwischen 1 und 4) erinnern an die alte Größe der Antiquitätenhalle. Highlight ist ein Startseiten Link von einer der wichtigsten Veranstaltungslocations in München (mit dem hohen Cemper Power*Trust 25), bei dem es sich laut laut Whois zugleich um den Domaininhaber handelt. Darüber hinaus findet sich der übliche Link Mix aus Schrott und einigen brauchbaren Seiten. Das sollte sich eigentlich ausgleichen.

Für einen umfassenderen Link Audit hätte ich jetzt noch die Detox-Werte der LinkResearchTools heranziehen können, aber dafür wollte ich meine wenigen Credits nicht opfern.

Denkbar wäre, dass die alten Links so gut waren, dass sie bis heute nachwirken. Leider kann ich mit meinen Ahrefs nicht so weit in die Vergangenheit sehen. In den letzten 60 Tagen hat die Domain aber noch ein paar wichtige Links verloren, darunter einen Wikipedia Link und den eines größeren regionalen Jugend Portals.

Sichtbarkeit & Keywords

Und was macht die Sichtbarkeit der Seite? Seit Juli fällt sie (das erhält mir ein wenig den Glauben an Google) allerdings nur langsam.

Die Sichtbarkeit fällt erst seit Juli.

Die Sichtbarkeit fällt erst seit Juli.

Erhellender ist ein Blick in die Keyword Entwicklung. Hier ist der Absturz deutlich sichtbar – allerdings erst mit sechs Wochen Verzögerung im Juli. War der Googlebot in der Zwischenzeit eineinhalb Monate lang nicht auf der Website? Kann eine Website so lange ohne Content bleiben, ohne dass Google darauf reagiert?

Keywordentwicklung

Keyword Entwicklung

Die geisterhafte Lösung

Kurz nachdem ich diesen Artikel fertiggeschrieben habe, finde ich einen Lösungshinweis (und darum ist dieser Blog Post auch stilistisch so inkonsistent).

Ich hatte beim Schreiben ständig im Hinterkopf, dass ich vor kurzem irgendwas über das Nachwirken von entfernten Links gelesen, gesehen oder gehört hatte. Nur wo? Natürlich bei MOZ.

Rand Fishkin beschrieb dort im August ein Phänomen, das er Link Echos oder Link Ghosts nennt. In mehreren Tests konnte dabei nachgewiesen werden, dass die positiven Signale von Links auch nach deren Entfernung noch über mehrere Monate nachwirken können.

https://moz.com/blog/link-echoes-ghosts-whiteboard-friday

BAM! Das klingt plausibel:

Der fehlende Content wird (noch) von den ehemaligen Links ausgeglichen. Dadurch verschwindet die Seite nur sehr langsam aus den SERPs.

Alle Werte – (Keyword Entwicklung, Sichtbarkeit, SERPs) deuten darauf hin, dass die tote Seite sich tatsächlich auflöst. Nur so langsam, dass man es kaum sieht.

Wenn ihr also mal ein echtes SEO-Gespenst sehen wollt, dann auf, bevor es verschwunden ist!

Fazit

Die Seite rankt auch heute, Mitte November 2014, noch gut. Immer noch Seite 1 bei Google. Ohne Inhalt. Trotz Panda. Seit mindestens sieben Monaten. Und Schuld daran sind die Linkgeister!

Verwunderlich bleibt, dass Google im Jahr 2014 nicht in der Lage ist, eine leere Website, trotz ihrer Links, nach ein paar Tagen – zumindest zwischenzeitlich – aus den Top-Positionen der SERPs zu entfernen.

Draußen vor dem Fenster steht ein unheimlicher Wiedergänger und bewegt sich nicht. Schließt die Tür und löscht das Licht!

Update 25.11.2014 – Seite Online

Gerade erfahre ich, dass die Seite wieder Online ist. Das ist einerseits schade, weil damit mein Blog Post obsolet ist (Ihr könnt die letzten Monate aber in der Waybackmachine nachvollziehen) andererseits nicht schlecht, weil ich so vielleicht irgendwann doch noch zu meinem Schreibtisch komme.

Update 2.12.2014 – Seite Verschwunden

Nach dem die Seite für einige Tage mit einer simplen Startseite Online war, ist sie jetzt wieder Offline. Die Domain liefert einen Status Code 404-Not Found.

Und: Die Domain ist aus den Top-10 Verschwunden. Nicht nur für das Keyword „Antiquitäten München“, sondern sogar auch für die Suche nach dem eigenen Firmennamen. Gut möglich, dass die Linkgeister nun endlich Ruhe finden.

Upate 22.12.2014 – Back again mit Schwierigkeiten

Mittlerweile wird die URL auf eine andere Domain umgeleitet. Und man fragt sich warum. Denn offenbar war die alte Domain ja wirklich stark.  Aktuell erfolgt die Umleitung leider mit einem Status Code 302, der keine SEO-Wirkung zeigt. Und auch der echt gute Link von „einer der wichtigsten Veranstaltungslocations in München“ verweist noch auf die alte Domain und verpufft wegen der 302 Umleitung. Wenn man bedenkt, unter welch mächtigem Management alle drei Webseiten (alte Domain, neue Domain und die verlinkende Veranstaltungslocation) stehen, ist es verwunderlich, dass man dort offenbar kein SEO-Budget in die Hand nehmen mag.

7 Kommentare
  1. Thomas Kaiser sagte:

    Sehr interessant, solche Beispiele sind super. Spannend ist nun folgende Frage:
    Eigentlich müssten die User Signals Google sagen, dass die Seite unbrauchbar ist. Denn eigentlich müssten viele die Seite wieder sofort verlassen, weil es ja nichts gibt, sprich zu den Suchergebnissen zurückkehren und andere Ergebnisse anklicken.
    Evtl. aber liegt es daran, dass es ein paar Menschen gibt, die genau wie Du oder ich sich dann den Quellcode ansehen, sprich auf der Seite bleiben bzw. nicht zu den Suchergebnissen zurückkehren und andere Treffer anklicken. Denn inhaltlich und aus Sicht der User Signals müsste die Seite nach unten gehen. Evtl. aber hält dieses Verhalten die Seite weiter oben. Nach dem Artikel vielleicht sogar erst recht, weil jetzt noch mehr Menschen die Suchanfrage eingeben um sich die website anzusehen. Bin also gespannt, wie sich das weiter entwickelt.
    Laut Google wird „antiquitäten münchen“ 1.000 mal im Monat gesucht (exact match). Das erschien mir recht hoch, aber Zahlen der anderen Städte zeigen, dass das schon passt. Somit ist das kein longtail keyword mehr.
    Vielleicht gehen einige auch zurück zu den Suchergebnissen und klicken nochmals auf das Ergebnis. Die leere Seite lässt doch zunächst vermuten, dass es ein technisches Problem gibt. Das kann evtl. auch ein paar „normale“ User verharren lassen, denn die Domain verspricht ja zunächst, dass es dort passende Inhalte geben sollte.
    Eines zeigt das Beispiel ganz klar: Aussagen wie „Wir haben letzte Woche den H1 verändert und sind 5 Plätzer runtergerutscht“ begegne ich immer mit Skepsis, dieses Beispiel zeigt, dass es manchmal lange dauern kann, bis sich Änderungen in den Rankings niederschlagen.
    Im übrigen möchte ich ergänzen, dass es stimmt, dass „Content Marketing“ nicht „Text Marketing“ bedeutet. Content steht eher für Mehrwert, man sollte vielleicht eher „Mehrwert Marketing“ sagen, und Mehrwert kann Text, Video, Bilder aber auch schlicht ein gutes Angebot sein. Ein Shop der tolle Testergebnisse hat und ein gutes Angebot, braucht vielleicht gar keinen Text, weil die Produktbilder und die angebotenen Mehrwerte wie „Testsieger“, „Tiefpreise“ und „10 Jahre Garantie“ auch ein Mehrwert darstellen, der sich durch die User Signals zeigt.
    Man sollte sich auch mal die anderen Suchergebnisse ansehen. Da sind ein paar andere skurille Ergebnisse dabei, die zeigen, dass man hier vielleicht nicht die üblichen SEO Maßstäbe ansetzen kann. Das Antik Zentrum Alling ist schon rein optisch einen Absprung wert, aber vielleicht ist es aber auch genau das, was die Schnäppchenjäger anzieht, weil man dort vielleicht Schätze vermuten kann?

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  2. Heinz-Günter Weber sagte:

    Ein Satz zum Einrahmen aus dem Kommentar von Thomas Kaiser:

    „Im übrigen möchte ich ergänzen, dass es stimmt, dass “Content Marketing” nicht “Text Marketing” bedeutet. Content steht eher für Mehrwert, man sollte vielleicht eher “Mehrwert Marketing” sagen, und Mehrwert kann Text, Video, Bilder aber auch schlicht ein gutes Angebot sein.“

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  3. Enno Winkler sagte:

    Zitat:“Wegen dem bevorstehenden Umzug des Antikpalastes wird die Internetseite derzeit überarbeitet.“ Das Beispiel zeigt trotz des bemerkenswerten Effekts vor allem eines – eine Überarbeitung einer Webpräsenz sollte ziemlich zügig von statten gehen und auf jeden Fall möglichste ohne Abschalten des alten Contents. Denn auch wenn der Absturz mit einer zeitlichen Verzögerung kommt, ist der Verlust der Backlinks, der ja auch nicht von ungefähr kommt, nachträglich kaum wieder gut zu machen.

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    • Philipp Clarin sagte:

      Absolut richtig, Enno. Hier wäre man besser gefahren, die alten Inhalte erstmal stehen zu lassen, statt sie zu löschen. Selbst wenn man wegen Umzug nicht weiß wie es weitergeht, hätte man daraus noch einen spannenen Blog o.ä. machen können. Und um die verlorenen Links ist es wirklich schade.

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