Die Wölfin säugt Remus und Roulus.

Informatik statt Latein?

Gestern haben Eric Schmidt (Google) und Sigmar Gabriel (SPD) über den „Wert unserer Daten“ diskutiert. Ich habe zwar die Presseartikel verfolgt, aber hängen geblieben ist nicht viel – außer dass der Gabriel ziemlich dick ist und Schmidt sehr geduldig. Nur an einem Satz von Sigmar Gabriel bin ich hängen geblieben, nämlich an der Frage, ob man Latein- und Griechischunterricht in der Schule nicht gegen Informatikunterricht eintauschen sollte.

Marcus hodie in Colosseo est. Sed ubi est Cornelia?

Die Mutter vieler Sprachen

Meine Meinung dazu will sicher niemand hören – aber hey, das ist mein Blog: Ich verstehe heute mindestens vier Sprachen halbwegs die ich nie oder nur unzureichend gelernt habe: Spanisch, Französisch, Italienisch und Rumänisch. In den ersten drei kann ich sogar halbwegs flüssig eine Pizza bestellen – und der Grund dafür sind fünf Jahre Latein.

Mens sana in corpore sano

Zugegeben: Auf Griechisch oder gar Altgriechisch können die Meisten in der Schule verzichten. Aber wer Latein (und selbstverständlich Englisch) als Basis hat, dem liegt ein großer Teil der Welt zu Füßen. Nicht die, vor dem Computer – sondern die echte Welt.

Carpe diem!

Sprachen bedeuten Freiheit

Wer Spanisch, Englisch und Französisch halbwegs beherrscht, kann von Nordkanada bis Feuerland reisen. Er kommt problemlos durch Europa, die Karibik, weite Teile von Afrika, Süd-Ost-Asien und natürlich durch ganz Australien und Neuseeland. Und ganz nebenbei: Wer in der Schule kein Latein hatte, tut sich in medizinischen und juristischen Fächern deutlich schwerer.

Quod licet Iovi, non licet bovi

Ich habe das zu Schulzeiten nie begriffen, aber rückblickend hat das bisschen Lateinunterricht mehr zu meiner persönlichen Freiheit beigetragen als alle anderen Schulfächer zusammen.

Die Wölfin säugt Remus und Romulus. Bis ins 17. Jahrhundert war Latein Weltsprache.

Die Wölfin säugt Remus und Romulus. Bis ins 17. Jahrhundert war Latein Weltsprache.

Hilflos im Neuland

Irgendwie hatte man den Eindruck, als wollte Gabriel seine Hilflosigkeit gegenüber dem Neuland mal wieder mit ein paar markigen Worten überspielen.

Aber wollte der SPD Mann den Google Mann nicht eigentlich in die Schranken weisen und den Suchgiganten nicht sogar eigenhändig zerschlagen? Davon war gestern keine Rede mehr. Stattdessen gabs ein paar halbherzige Nachfragen zum Thema Gmail und Datenschutz. War auch besser so. Man hätte Eric Schmidt sonst wahrscheinlich mit einem Lachkrampf aus dem Saal tragen müssen.

Wie beende ich jetzt diesen Kommentar? Vielleicht so: Lieber Siggi, die Welt wird noch romanische Sprachen sprechen, wenn Google längst weg vom Fenster ist. Und ich wette einen Sack voll Reis, dass Du und ich das noch erleben werden. Bis dahin könntest Du Deine Reden im Parlament ja stets mit folgendem Satz beenden:

Ceterum censeo Googleinem esse delendam

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